Dein Kind kommt aus der Schule nach Hause und … plötzlich kommt alles raus.
Die Jacke fliegt auf den Boden. Der falsche Becher wird auf einmal zur Katastrophe. Dein Kind wird wild, wütend, fängt an zu weinen oder möchte einfach gar nichts mehr.
Kommt dir das bekannt vor?
Ein Schultag verlangt Kindern ganz schön viel ab. Zuhören, lernen, spielen, sich konzentrieren, zwischen verschiedenen Situationen wechseln, Rücksicht auf andere nehmen und dabei noch jede Menge Eindrücke verarbeiten.
Manche Kinder schaffen das in der Schule scheinbar problemlos und zeigen erst zu Hause, wie voll ihr Kopf und ihr Körper eigentlich sind.
Und als Eltern wünschen wir uns in diesem Moment oft vor allem eines: Ruhe.
Aber einem Kind nach der Schule beim Runterkommen zu helfen bedeutet nicht automatisch, dass es still werden muss.
Manchmal braucht es genau das Gegenteil.
Erst bewegen. Loslassen. Einen Moment lang nichts müssen. Verbindung spüren. Und erst danach langsam zur Ruhe kommen.
Hier sind 10 einfache Möglichkeiten, wie ihr das machen könnt.
1. Erwarte nicht sofort ein Gespräch
„Wie war es in der Schule?“
Eine ganz normale Frage. Aber nach einem anstrengenden Tag kann selbst das Antworten manchmal schon zu viel sein.
Du musst nicht sofort ein Gespräch beginnen.
Eine Umarmung. Etwas trinken. Gemeinsam nach Hause gehen. Einfach kurz nebeneinandersitzen.
Die Geschichten vom Tag können später kommen.
2. Lass zuerst den Körper bewegen
Nach einem Tag voller Zuhören, Konzentration, Wechsel und Anpassung kann Bewegung unglaublich guttun.
Und nein, daraus muss kein zusätzliches Sportprogramm werden.
Zehnmal so hoch springen wie möglich. Arme und Beine ausschütteln. Zu einem Lied tanzen. Wie ein Bär durchs Wohnzimmer krabbeln. Gemeinsam eine lustige Yogapose ausprobieren.
Halte es klein und spielerisch.
Schon fünf Minuten Bewegung können einen schönen Übergang zwischen Schule und Zuhause schaffen.
3. Geht kurz nach draußen
Manchmal reicht schon ein kleiner Tapetenwechsel.
Eine Runde spazieren, Fahrrad fahren, im Garten spielen oder unterwegs auf einer kleinen Mauer balancieren.
Keine Aktivität. Kein Plan.
Einfach kurz raus und bewegen.
4. Schaffe etwas Vorhersehbarkeit
Nach einem ganzen Tag voller Aufgaben und Veränderungen kann es angenehm sein, wenn dein Kind zu Hause ungefähr weiß, was als Nächstes passiert.
Zum Beispiel:
nach Hause kommen → etwas essen oder trinken → kurz frei spielen oder bewegen → erst danach Hausaufgaben oder andere Pläne.
Es muss natürlich nicht jeden Tag genau gleich ablaufen.
Das Wichtigste ist die Botschaft:
Jetzt musst du erst einmal gar nichts.
5. Frag, was der Körper gerade braucht
Das ist eine meiner Lieblingsideen.
Statt:
„Komm, wir machen jetzt etwas, damit du dich beruhigst.“
kannst du fragen:
„Was braucht dein Körper gerade?“
Bewegung? Hinlegen? Springen? Eine Umarmung? Kurz allein sein?
Natürlich wissen Kinder darauf nicht immer sofort eine Antwort. Das müssen sie auch nicht.
Mach die Auswahl kleiner:
„Möchtest du kurz springen oder dich lieber unter eine Decke kuscheln?“
Wenn ihr immer wieder gemeinsam wahrnehmt, was der Körper gerade braucht, lernt dein Kind Schritt für Schritt, diese Signale selbst besser zu erkennen.
Und genau das ist eine schöne Grundlage für Körperwahrnehmung und Selbstvertrauen.
6. Mach aus Bewegung ein Spiel
[Yoga mit Kindern] muss nicht still, ernst oder perfekt sein.
Zum Glück. 😉
Macht ein Tier nach. Spielt Spiegel und kopiert gegenseitig eure Bewegungen. Lass dein Kind selbst eine Pose erfinden. Zieht abwechselnd eine Karte. Probiert gemeinsam eine Partnerübung aus, ohne umzufallen.
Lachen ist erlaubt.
Umfallen auch.
Es geht nicht um die perfekte Haltung.
Es geht darum, für einen Moment aus dem vollen Kopf heraus und wieder zurück in den Körper zu kommen.
7. Probiert danach einen ruhigen Atemzug
Nicht jedes Kind möchte direkt nach der Schule stillsitzen und tief atmen.
Deshalb müsst ihr damit auch nicht unbedingt anfangen.
Nach ein wenig Bewegung könnt ihr gemeinsam eine einfache Atemübung ausprobieren.
Tut so, als würdet ihr an einer Blume riechen: ruhig durch die Nase einatmen.
Und danach eine imaginäre Kerze auspusten: langsam durch den Mund ausatmen.
Ein- oder zweimal reicht völlig.
Keine lange Übung. Kein:
„Du musst dich jetzt beruhigen.“
Einfach gemeinsam ausprobieren.
Möchtet ihr noch mehr einfache Atemspiele entdecken? Dann schaut euch auch unsere Atemübungen für Kinder an.
8. Gib auch der Ruhe Raum
Nicht jedes Kind kommt auf die gleiche Weise zur Ruhe.
Das eine möchte erzählen.
Das andere möchte sich bewegen.
Und ein anderes Kind möchte am liebsten eine Weile mit Lego, einem Buch, einem Kuscheltier oder einer Decke verschwinden.
Auch das ist völlig in Ordnung.
Schau weniger darauf, wie „Runterkommen“ aussehen sollte, und mehr darauf, was dein Kind in diesem Moment gerade braucht.
9. Wähle zuerst Verbindung
Wenn ein Kind wütend oder traurig nach Hause kommt, schalten wir oft sofort in den Problemlösungsmodus.
„Was ist passiert?“
„Warum bist du so wütend?“
„Beruhig dich.“
Aber manchmal muss noch gar nichts gelöst werden.
Setz dich einfach dazu. Gib deinem Kind eine Umarmung, wenn es das mag. Macht etwas Kleines zusammen.
Verbindung zu schaffen, ohne dass sofort etwas erzählt, erklärt oder gelöst werden muss, kann schon unglaublich viel bedeuten.
10. Halte es vor allem klein
Das Runterkommen nach der Schule muss keine weitere Aufgabe auf eurer To-do-Liste werden.
Du musst keine Yogamatte ausrollen.
Keine Kerzen anzünden.
Und du musst ganz sicher keine halbstündige Kinderyogastunde geben, während nebenbei das Abendessen anbrennt. 😅
Manchmal reichen fünf Minuten.
Eine Bewegung.
Eine Haltung.
Ein Atemzug.
Oder einfach kurz zusammen auf dem Boden liegen.
Genau deshalb arbeite ich auch so gerne mit Karten: Du musst dir selbst nichts ausdenken und dein Kind darf mitentscheiden.
Mit dem Gemeinsam Familien-Yoga-Kartenset sucht ihr gemeinsam eine spielerische Bewegung aus, die sich in diesem Moment gut anfühlt.
Ist dein Kind danach bereit, etwas langsamer zu werden? Dann könnt ihr eine Karte aus dem Kartenset für Atemübungen ausprobieren.
Mehr muss es gar nicht sein.
Nicht, weil dein Kind ruhig werden muss.
Sondern weil es so nach und nach verschiedene Möglichkeiten kennenlernt und spüren kann:
Was brauche ich gerade?
Ein einfacher Übergang nach der Schule
Du weißt nicht so recht, wo ihr anfangen sollt?
Dann merk dir einfach diese Reihenfolge:
Zuerst loslassen.
Ein paar Minuten bewegen, springen, tanzen oder draußen spielen.
Dann verbinden.
Macht gemeinsam eine Bewegung, Yogapose oder ein kleines Spiel.
Danach langsamer werden.
Ein ruhiger Atemzug, kurz hinlegen oder einfach zusammen sein.
Fertig.
Keine komplette Yogastunde. Kein strenger Ablauf.
An manchen Tagen dauert es zwei Minuten. An anderen zehn.
Und an manchen Tagen möchte dein Kind überhaupt nichts gemeinsam machen.
Auch das ist okay.
Es geht nicht um den perfekten Moment zum Runterkommen.
Es geht darum, dass dein Kind Schritt für Schritt lernt zu spüren, was ihm guttut.
Häufig gestellte Fragen: Nach der Schule zur Ruhe kommen
Warum ist mein Kind nach der Schule so wütend oder aufgedreht?
Ein Schultag verlangt Kindern viel ab: zuhören, sich konzentrieren, zwischen Situationen wechseln, soziale Kontakte und jede Menge Eindrücke verarbeiten. Manche Kinder halten sich während des Tages gut zusammen und zeigen erst zu Hause, wie viel Anspannung oder Müdigkeit sich aufgebaut hat.
Sollte mein Kind nach der Schule zuerst ruhen oder sich bewegen?
Das ist von Kind zu Kind und sogar von Tag zu Tag unterschiedlich. Manche Kinder brauchen zuerst Bewegung, um etwas Anspannung loszulassen. Andere suchen direkt nach Ruhe. Schau vor allem darauf, was dein Kind in diesem Moment braucht.
Wie helfe ich meinem Kind, nach der Schule runterzukommen?
Halte es einfach. Gib deinem Kind Zeit, zu Hause anzukommen, Raum für Bewegung oder auch dafür, kurz gar nichts zu tun, und stelle nicht sofort viele Fragen. Ein vorhersehbarer Übergang zwischen Schule und Zuhause kann ebenfalls helfen.
Kann Yoga dabei helfen, nach der Schule runterzukommen?
Yoga kann eine spielerische Möglichkeit sein, sich zu bewegen, die Körperwahrnehmung zu entwickeln und danach langsam zur Ruhe zu kommen. Bei Kindern muss daraus keine stille Yogastunde werden. Schon eine einzige Haltung gemeinsam auszuprobieren kann völlig ausreichen.
Was ist, wenn mein Kind nicht mitmachen möchte?
Dann muss es das nicht. Das Runterkommen sollte nicht zu einer neuen Aufgabe werden. Vielleicht möchte dein Kind lieber allein spielen, draußen sein oder etwas bauen. Du kannst etwas anbieten, aber dein Kind muss die Einladung nicht annehmen.











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